Rezension | Herz über Kopf | Jo Platt

Originaltitel: Reading Upside Down | Reihe: - | Übersetzung: Katharina Naumann | Verlag: rororo, Juni 2015
Ausgabe: Taschenbuch | Seiten: 368 | Preis: 9,99€ | Hier kaufen

Mit Rückschlägen kennt Rosalind sich aus. Achtzehn Monate ist es her, dass ihr Verlobter – aus gutem Grund nur «die Ratte» genannt – aus der Kirche floh. Am Tag ihrer Hochzeit, durch das Fenster der Sakristei. Seitdem ist nichts mehr wie zuvor.
Im malerischen St Albans hofft Ros, endlich mit der Vergangenheit abschließen zu können: Sie liebt das beschauliche Leben dort, den neuen Job in der Buchhandlung und vor allem ihre Kollegen: den schweigsamen Andrew, Georgina, die alles zu haben scheint, was sich Ros wünscht, und die liebenswert-schrullige Joan.
Doch dann klingelt es eines Freitagabends an der Tür: Der Mann mit dem Blumenstrauß entpuppt sich als ihr Nachbar Daniel, und er bringt schlechte Nachrichten: Er hat Mr. Edward überfahren. Mit dem Rasenmäher. Noch ahnt Ros nicht, dass das vorzeitige Ableben ihres geliebten Meerschweinchens einen noch größeren Einfluss auf ihr Leben haben wird als die Flucht der Ratte … (Quelle: Rowohlt Verlag)

In einer Zeitschrift habe ich eine Anzeige zum Buch gesehen und mich sofort in das Cover verliebt (zugegeben, wahrscheinlich hauptsächlich aufgrund des Buchladens dadrauf). Zu meinem Geburtstag habe ich es dann bekommen und es auch ziemlich bald gelesen. Und was soll ich sagen? Es ließ sich schnell und leicht lesen, denn die Autorin schreibt wirklich sympathisch und ich mag ihren Humor. Geschrieben ist das Buch aus Ros' Sicht. Das große Drama um "die Ratte" und die Flucht aus der Kirche bleibt dem Leser erspart, denn die Geschichte startet ein paar Monate danach. "Die Ratte" hat übrigens auch einen richtigen Namen, allerdings wird der erst ziemlich spät verraten.

Ros ist eigentlich eine wirklich liebenswerte Person, wenn auch besonders zu Anfang ein bisschen wehleidig und ich-bezogen aufgrund der abgesagten Hochzeit. Aber so richtig verübeln kann man es ihr nicht und sie erzählt mit so viel Witz von den Geschehnissen, dass man sie ganz schnell ins Herz schließt. Die ersten Kapitel befassen sich hauptsächlich mit dem, was vor Beginn des Buchs passiert ist, aber irgendwann ist man dann voll drin in der Geschichte.

Neben Ros spielen auch ihre drei Kollegen aus der Buchhandlung eine wichtige Rolle, denn es geht im Buch gar nicht nur um Ros, sondern auch um die Geschichten ihrer Kollegen Andrew, George und Joan. Jede Person sticht durch andere Eigenschaften heraus und man merkt, dass die Autorin sich Gedanken gemacht hat. Und dann ist da natürlich Daniel. Der Nachbar, der Ros' Meerschweinchen auf dem Gewissen hat. Ich muss sagen, bei mir ist der Funke nicht ganz übergesprungen, aber er hat in die Geschichte gepasst und er hat ja auch an Ros' Tür geklingelt und nicht an meiner.

Erwartet habe ich eine kurzweilige Geschichte, die schön für zwischendurch ist. Bekommen habe ich aber eine rührende, lustige, recht vorhersehbare Geschichte, die sich gar nicht so richtig als Chick Lit definieren lässt. Manchmal ist Ros anstrengend und nervig und kann einfach nicht ihre Klappe halten, aber sie bleibt damit  trotzdem sympathisch. Freundschaft wird in der Geschichte ganz groß geschrieben, weshalb ihre Freunde und Kollegen auch jeder eine kleine eigene Geschichte in der Geschichte abbekommen haben. Hier und da war es vorhersehbar und das Geheimnis um Andrew war für mich ziemlich offensichtlich, auch wenn ich mit einem anderen Ausgang gerechnet hätte. Das Ende war wirklich schön. Nicht zu übereilt und so weit abgeschlossen, dass jeder irgendwie ein Happy End hat.

Für Freunde kurzweiliger Unterhaltung, die einem ab und zu ein lautes Lachen entlockt ist dieses Buch bestimmt ein Tipp. Wenigstens mal reinlesen. Ich hatte viel Spaß, Ros zu begleiten und hoffe, dass die Autorin noch mehr tolle Bücher schreibt.


Jo Platt wurde in Liverpool geboren und studierte Literatur. Wie ihre Hauptfigur Rosalind hat sie Erfahrung mit Neuanfängen: Über das ländliche Wiltshire, London und Seattle, wo sie als Lehrerin arbeitete, verschlug es sie nach St Albans, die malerische Kathedralenstadt in der Nähe Londons, in der «Herz über Kopf» spielt. Lange Zeit schrieb sie nur für Familie und Freunde, bevor sie sich ein Herz fasste und ihren ersten Roman in England veröffentlichte. Heute lebt sie mit ihrem Mann – der übrigens einmal ihr Nachbar war – und zwei Kindern in Bristol. (Quelle: Rowohlt Verlag)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen